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Ein Baum ist mehr als ein Baum. Das Lebenssymbol zwischen Ökologie und Mystik Die Biologie der Bäume ist wesentlich durch ein gegenläufiges Strömen bestimmt. Der Strom der Salze und Mineralien geht von den Wurzeln in Richtung der Krone bzw. der Blätter. Aus dem Erdreich stammend werden sie mit dem Wasser transportiert, welches den Stamm emporsteigt, um schliesslich grösstenteils über die Blätter zu verdunsten. Die in die Blätter strömenden Salze und Mineralien spielen ihre Rolle neben dem Wasser, dem Kohlendioxid der Luft und dem alles aktivierendenSonnenlicht bei dem für uns alle lebenswichtigen Prozess der Photosynthese. Die Erdstoffe bilden somit, vermittelt über den chemischen Wandlungsprozess, eine Voraussetzung für das Wachstum des Baumes und die Produktion seiner Kohlenhydratvorräte. Sie tragen gleichzeitig zur Bildung des Sauerstoffs bei, der die Grundlage für alles weitere Leben auf der Erde darstellt. Als Bindeglied zwischen Himmel und Erde erscheint der Baum somit als zentraler Katalysator eines zyklischen Schöpfungsprozesses, der letztlich alles umfasst: Erde, Wasser, Licht, Sauerstoff und organische Nährstöffe, vor allem aber alle Formen davon abgeleiteten Lebens. Wenn Menschen die Bäume von jeher verehren, sich in ihnen spiegeln und ganze Welterklärungsmodelle auf Bäume projizieren, so geschieht dies in der mehr oder weniger bewussten Gewissheit, dass menschliches Leben von der Existenz und ökologischen Funktion der Bäume abhängig ist. Der Weg zu einer eher mystischen zu nennenden Verklärung dieses Zusammenhangs ist dann nicht weit. Die auratische Ausstrahlung der Bäume, ihre Ehrfurcht gebietende Präsenz, die hoch gesetzte Tabugrenze ihres Beschneidens und Beseitigens ist umgekehrt nicht ohne diese Verklärung vorstellbar. Reine Rationalität und funktionelle Betrachtungsweise bietet keine ausreichende Erklärung für die enorme symbolische Kraft der Bäume, für ihre hervorragende Rolle als nicht-menschliche Symbole des Lebens. Bäume lassen sich in der Begrifflichkeit C.G. Jungs besser als Archetypen sehen, als Elemente des kollektiven Unbewussten. Sie werden fraglos als solche Bestandteile der Lebenswelt erkannt und respektiert, denen eine Verbindung zum Transzendenten eigen ist. In der Begegnung mit Bäumen, in ihrer bildhaften Darstellung und symbolischen Reflexion suchen und finden viele Menschen deshalb ihre spirituellen Wurzeln, die Quelle göttlicher Energie, aus der sie schöpfen. Das Baum-Symbol hilft ihnen, diese Energien zu vergegenwärtigen. Ob diese vermittelnde Kraft bewusst genutzt oder unbewusst erlebt wird, ist dabei nebensächlich. Gerade das breite Spektrum seiner Präsenz, über alle geografischen und kulturellen Grenzen hinweg, macht seine prominente Stellung unter den Symbolen des Lebens aus. Und so ist es auch zu erklären, dass Menschen in aller Welt und zu allen Zeiten den Baum zum Gegenstand oder Medium ihres kreativen Ausdruckswillens gemacht haben. Und zum Beschreibungsmodell für Weltschöpfung und spirituelle Entwicklung. So erweist sich der Baum seit Menschengedenken als Metasymbol, als Zeichen, welches der Reflexion und dem In-Beziehung-Setzen von symbolischen Formen verschiedener Existenzen und Wirklichkeitsebenen dient. Ein Baum ist eben mehr als ein Baum. Er verbindet innere und äussere Welt, Diesseits und transzendentes Sein. Und er lädt immer wieder unverbraucht die Menschen dazu ein, an seiner Kraft teilzuhaben, um ihre eigenen Potentiale weiter zu entwickeln. © Text von Bernhard Lux - www.wunschbaum.de
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