Der Lebensbaum Ein alter Baum bin ich, nicht gross, nicht klein, auch nicht gerade zart und fein. Meine Wurzeln sind fest verankert, mein Stamm strotzt jedem Sturm, und trotzdem fühle ich mich manchmal als ganz kleiner Wurm. Denn niemand sieht mich so richtig an, nicht einmal mein schönes Blätterkleid zieht die Menschen in meinen Bann. Die Leute laufen, rennen und stürmen an mir vorbei, und ich stehe im Stadtpark ganz einsam und allein. Die meisten Menschen nehmen mich nur wahr, wenn sie etwas von mir haben wollen, klar. Im Sommer wollen sie Schatten von mir haben, im Herbst sich an meinen Früchten laben, im Winter nehmen sie einen Teil von meinem Holz, ohne zu fragen und verletzen damit meinen Stolz. Heute jedoch hat mich ein Menschenwesen beglückt, gab mir von seiner Seele ein ganz grosses Stück. Er hat mich einfach umarmt und gedrückt. Ich glaube, ich bin dabei ein wenig entrückt. Nun bin ich der glücklichste Baum auf Erden, denn es kann immer und jederzeit nur besser werden. Und liebe Menschen, denkt daran, wenn Ihr den nächsten Baum trefft irgendwann, auch ein Baum nicht gross, nicht klein, auch nicht gerade zart und fein, braucht manchmal das Gefühl, geliebt zu sein. © Gedicht von Sonja de Marco > www.lebens-baum.ch
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